Einkaufsmanagerindex: Industrieproduktion trotz erster Lichtblicke weiter rückläufig

February 15, 2020

Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) ist im Januar 2020 mit 45,3 Punkten um 1,6 Zähler gegenüber dem Vormonat gestiegen. Damit erreichte der deutsche PMI ein Elfmonatshoch. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh. Denn der wichtige Frühindikator für die Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland bewegt sich bereits seit mehr als einem Jahr ununterbrochen unter der magischen 50-Punkte-Referenzlinie, ab der wirtschaftliches Wachstum signalisiert wird.

 

Der EMI kletterte im Januar 2020 zwar auf ein Elfmonatshoch, doch von einer Aufschwungseuphorie kann bei den deutschen Unternehmen derzeit noch nicht die Rede sein.

 

Die Kontraktion in Deutschlands Industriesektor hat sich zu Beginn des neuen Jahres abgeschwächt. Ausschlaggebend war vor allem das kleinste Minus der Neuaufträge seit fünfzehn Monaten, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit in London mit. Im ersten Monat des Jahres kletterte der saisonbereinigte IHS Markit/BME Einkaufsmanager-Index (EMI) auf 45,3 Punkte und erreichte damit ein Elfmonatshoch. Nach 43,7 im Dezember und dem Zehnjahrestief vom vergangenen September ist dies nun die dritte Verbesserung innerhalb der vergangenen vier Monate. Nichtsdestotrotz notiert der Index aber nach wie vor deutlich in der Schrumpfungszone.

 

„Der überraschend starke Anstieg des EMI könnte für die deutsche Industrie einen Wendepunkt bedeuten. Erfreulich ist insbesondere der wieder anziehende Teilindex Leistung, der verbesserte Jahresausblick und die rückläufigen Einkaufspreise“, betonte BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch am Mittwoch in Eschborn.

 

„Das Bild einer sich fangenden Konjunktur bleibt erhalten. Damit dürfte der Gegenwind, der der deutschen Industrie im vergangenen Jahr ins Gesicht blies, etwas abflauen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Mittwoch dem BME. Dennoch wachsen seiner Ansicht nach die Konjunkturbäume nicht in den Himmel. Zum einen kämpfe die deutsche Paradebranche – die Automobilindustrie – mit einem abrupten Strukturwandel, zum anderen würden sich die Einkommenszuwächse abflachen. Konjunkturelle Unterstützung komme aber vom Staat, der die Haushalte entlaste und weiterhin in die Infrastruktur investieren müsse. Kater: „Die konjunkturelle Erholung kommt, sie wird aber mühsam.“

 

„Zwar klettert der EMI auf ein Elfmonatshoch, doch von Aufschwungseuphorie kann bei den deutschen Unternehmen derzeit nicht die Rede sein“, teilte Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK, am Mittwoch dem BME mit. Wenngleich die Exportgeschäfte wieder etwas besser liefen, werde die Produktion hierzulande weiter zurückgefahren und auch die Beschäftigung in der Industrie sinke. Die Nachfrage im Inland, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie die Energie- und Rohstoffpreise seien für viele Unternehmen laut der DIHK-Konjunkturumfrage bedeutende Risiken. Damit die deutsche Wirtschaft wieder Rückenwind bekomme, „sollten wir uns noch intensiver Themen wie dem Modernisierungsbedarf und einer Beschleunigung von Infrastrukturprojekten, der Energiewende und den steigenden Energiepreisen zuwenden“, so Huhn abschließend.

 

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Mittwoch dem BME:

 

„Obwohl die Stahlschrottpreise im Januar 2020 erneut und die Stahlpreise erstmals seit Januar 2019 wieder anzogen, sind vorerst Preisrückgänge vor allem auch bei börsennotierten Rohstoffen zu erwarten. Grund sind vor allem die Auswirkungen des Coronavirus auf die chinesische und die globale Wirtschaft. Während die Primärerzeugung von Aluminium, Kupfer oder Zink im Reich der Mitte normal weiterläuft, wurden die Werksferien bei den Abnehmern deutlich verlängert. Zudem sind in der Volksrepublik aufgrund von Fahrverboten in bestimmten Regionen erhebliche Störungen in der Logistik zu beobachten. Dies führt zu temporären Überangeboten an Rohstoffen, die jedoch nach einer Normalisierung in China schnell abgebaut werden dürften.“

 

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

 

Industrieproduktion:

Der saisonbereinigte Teilindex Leistung verbesserte sich im Januar leicht und notierte auf einem Fünfmonatshoch. Allerdings verharrt er weiter deutlich im roten Bereich und signalisierte einen erneuten Rückgang der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Das zwölfte Minus in Folge spiegelte zum wiederholten Mal das grundsätzlich niedrige Nachfrageniveau in der Branche wider. Ebenfalls nicht zum ersten Mal verteilte sich die Schrumpfung wieder auf alle drei Teilbereiche der Industrie (Konsum-, Vorleistungs- und Investitionsgüter).

 

Auftragseingang insgesamt/Export:

Die Anzahl der Neuaufträge ist im Januar nur leicht gesunken. Es war die niedrigste Schrumpfungsrate seit Oktober 2018 als der Abwärtstrend begann. Obwohl viele Umfrageteilnehmer erneut die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten beklagten, die sich negativ auf Investitionsentscheidungen und Auftragsvergaben auswirken, gab es doch einige, die von einer zarten Belebung der Nachfrage berichteten.

 

Die Exportaufträge näherten sich im Januar einem stabilen Niveau an. Der entsprechende Teilindex notierte nur marginal unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten und damit auf dem höchsten Wert in der 17-monatigen Schrumpfungsphase. Einige der befragten Manager berichteten, dass vor allem in China und in den USA die Nachfrage anzog. Hersteller von Konsumgütern verbuchten Zuwächse während Firmen des Vorleistungsgüterbereichs kaum Veränderungen registrierten. Schlusslicht blieb der Investitionsgüterbereich, aber immerhin schwächte sich der Rückgang hier etwas ab.

 

Beschäftigung:

Die Daten vom Januar zeigten einen weiteren deutlichen Rückgang des Beschäftigungsniveaus in der Industrie, womit sich die aktuelle Talfahrt auf elf Monate ausdehnte. Die Schrumpfungsrate blieb im Vormonatsvergleich unverändert und damit eine der kräftigsten seit der globalen Finanzkrise. Laut Sektordaten konzentrierte sich der Personalabbau auf den Vorleistungs- sowie den Investitionsgüterbereich.

 

Einkaufs-/Verkaufspreise:

Im Januar registrierten die Industrieunternehmen zum wiederholten Mal niedrigere Preise für Rohmaterialien. Etwa 28 Prozent der Umfrageteilnehmer meldeten eine Verbilligung und wiesen dabei vor allem auf die gefallenen Rohstoffpreise (insbesondere Stahl) hin. Zudem untergräbt ein Überangebot vielerorts die Preismacht der Zulieferer. Trotz einer leichten Abmilderung blieb die Rückgangsrate insgesamt kräftig.

 

Der starke Wettbewerb um neue Aufträge führte erneut dazu, dass viele Hersteller ihre Kosteneinsparungen im Einkauf in Form von Nachlässen bei den Verkaufspreisen an ihre Kunden weitergaben. Damit setzte sich der seit letztem Juli anhaltende Trend weiter fort. Die entsprechende Schrumpfungsrate beschleunigte sich gegenüber Dezember und lag über dem Durchschnitt der aktuellen Rückgangsphase. Während sich die Verkaufspreise für Konsumgüter verteuerten, verbilligten sie sich für Vorleistungs- und Investitionsgüter.

 

Jahresausblick:

Der Teilindex Jahresausblick verbesserte sich im Januar den fünften Monat in Folge – nach dem Rekordtief vom vergangenen August. Damit stieg der Optimismus unter den deutschen Herstellern zu Beginn des neuen Jahres auf den höchsten Wert seit fast anderthalb Jahren. Vor allem die ersten Anzeichen einer Entspannung im Handelsstreit hob die Stimmung der Einkaufsmanager. Daneben erwarten viele, dass sowohl die Investitionen als auch die Exporte wieder ansteigen werden.

 

 

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